Der Falke  (der Kürenberger, mitte 12. Jh.)
 
Ich zôch mir einen valken
dô ich in gezamete
und ich im sîn gevidere
er huop sich ûf vil hôhe
 
Sît sach ich den valken
er fuorte an sînem fuoze
und was im sîn gevidere
got sende si zesamene
 
Übersetzung:
Ich zog mir einen Falken
Als er von mir gezähmt und  
und ich um sein Gefieder
steil stieg er in die Lüfte
 
Fortan sah ich den Falken
er trug an seinem Fusse
es glänzte sein Gefieder
Gott sende sie zusammen,
 
mêre danne ein jâr.
als ich in wolte hân
mit golde wol bewant,
und floug in anderiu lant.
 
schône fliegen:
sîdîne riemen,
alrôt guldîn.
die gerne geliep wellen sîn!
 

länger denn ein Jahr.
mir nach Wunsche war
goldene Bänder wand,
und flog in ein anderes Land.
 
herrlich fliegen:
seidene Bänder,
um und um von Gold.
die sich sehnsüchtig hold.
 
Bild !In der Handschriftlichen Fassung