MarschliedchenIhr und die Dummheit zieht in ViererreihenIn die Kasernen der Vergangenheit Glaubt nicht, dass wir uns wundern, wenn ihr schreit Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien Ihr kommt daher und lasst die Seele kochen Die Seele kocht und die Vernunft erfriert Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert Weil dann gesungen wird und nicht gesprochen Marschiert vor Prinzen, die erschüttert weinen: Ihr findet doch nur als Parade statt! Es heißt ja: Was man nicht im Kopfe hat, Hat man gerechterweise in den Beinen Ihr liebt den Hass und wollt die Welt dran messen Ihr werft dem Tier im Menschen Futter hin Damit es wächst, das Tier tief in euch! Das Tier im Menschen soll den Menschen fressen Ihr möchtet auf den Trümmern Rüben bauen Und Kirchen und Kasernen wie noch nie Ihr sehnt euch heim zur alten Dynastie Und möchtet Fideikommißbrot kauen Ihr wollt die Uhrenzeiger rückwärts drehen Und glaubt, das ändere der Zeiten Lauf Dreht an der Uhr! Die Zeit hält niemand auf! Nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen Wie ihr's euch träumt, wird Deutschland nie erwachen Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt: Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen! Erich Kästner 1932
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